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Als Arzt zum Master of Laws – Dr. med. Torsten Ade, Absolvent des Studiengangs „Medizinrecht“, schildert seine Eindrücke vom Masterstudium.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, sich als ausgebildeter Mediziner noch einmal dem Stress eines rechtswissenschaftlichen Masterstudiums auszusetzen? Wie aufwändig ist so ein Studium überhaupt und wie schwer fällt die Umstellung von Medizin zu Jura?

Dr. med. Torsten Ade, Absolvent des Studiengangs Medizinrecht 2014, schildert seine Eindrücke aus dem Studiengang und berichtet dabei u. a. von der Notwendigkeit, eigene Risiken besser einschätzen zu können, von den Unterschieden zwischen medizinischen Prüfungen und juristischen Klausuren, von wertvollen privaten Kontakten und auch von einem unterbrochenen Urlaub auf den Kanaren.

Lieber Herr Dr. Ade, wie kommt man eigentlich nach dem Medizinstudium und als praktizierender Arzt darauf, nebenberuflich noch ein Masterstudium im Bereich "Medizinrecht" anzuschließen?

Im Prinzip kam das dadurch, dass ich im letzten Haus in eine leitende Position kam und zunehmend mit Fragen zu tun hatte, die z. B. auf Verantwortlichkeiten abzielten: Man kann dieses und jenes zwar so oder so machen, aber darf man das auch? Ist man wirklich zuständig? In meinem Fall war zudem immer wieder Thema, dass ich mich im Grenzbereich zwischen ambulanter Versorgung durch die kassenärztliche Vereinigung und dem klassischen stationären Krankenhausbereich bewege. Ich musste feststellen, dass Regelungen aus anderen Bereichen auf meinen Bereich nur schlecht übertragbar waren. Da war z. B. die Frage der Abrechnung: Was kann ich denn nun ambulant abrechnen? Und was nicht? Es kamen Haftungsfragen und Fragen der Arbeitsorganisation auf: Was darf und was kann ich eine MFA machen lassen? Was darf eine Pflegekraft machen und wann muss ein Arzt hinzugerufen werden? All diese Fragen konnte mir vor Ort niemand beantworten und auch externe Anwälte wussten oft nicht weiter.

Gemeinsam mit dem Juristen unserer Haftpflichtversicherung habe ich schließlich aber doch noch einen Weg gefunden, das juristische Thema zu bearbeiten. Das war dann auch die Initialzündung. Wir haben angefangen, Prozesse zu schreiben und gemeinsame Vorträge zu halten aus juristischer und medizinischer Perspektive. Und am Ende haben wir uns ganz pragmatisch auf eine Vorgehensweise geeinigt. Das war das erste Mal, dass ich den Ablauf in einem Krankenhaus geändert habe und auf keinerlei Widerstand gestoßen bin ganz einfach aus dem Grund, dass hier der Haftpflichtversicherer und der Arzt gemeinsam Lösungen erarbeitet haben.

Schließlich bin ich dann an meinen damaligen Geschäftsführer herangetreten und habe ihn auf den Münsteraner Medizinrechtsmaster aufmerksam gemacht. Ich habe ihm erklärt, dass mich das ganze Thema ständig begleitet. Immer, wenn man sich in einem Bereich befindet, wo einem niemand etwas raten kann, ist es sinnvoll, ein ausreichendes Grundwissen zu haben, um seine eigenen Risiken abschätzen zu können. Und so kam es, dass ich schließlich nach Münster gekommen bin.

Wie konnten Sie konkret von Ihrer Teilnahme am Studiengang profitieren? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, die haben sich für mich erfüllt. Mir fällt es jetzt sehr viel leichter, Themen und Risiken einzuschätzen. Ich bin außerdem schon während des Seminars von einer Beratungsfirma angesprochen worden, ob ich nicht wechseln wollte. Und das war extrem praktisch, weil ich ja sofort mit den Kommilitonen einen großen Beraterstab aus Juristen, Personalverantwortlichen und Klinikgeschäftsführern um mich hatte. Und nach einem kurzen Brainstorming mit den Kursteilnehmern habe ich dann zugesagt. Der Wechsel brachte auch einen Chefarztposten mit sich. Einer meiner ersten Aufträge bei meinem neuen Arbeitgeber lautete dann, doch bitte die Notfallpraxis der kassenärztlichen Vereinigung zu integrieren. Ich konnte also direkt das Thema meiner Masterarbeit in den Livebetrieb umsetzen. Das kann man ja auch nicht alle Tage von einer juristischen Arbeit sagen.

Die Prüfungen im Medizinstudium weichen vom Aufbau und der Herangehensweise doch deutlich von juristischen Prüfungen ab. Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung?

Die Umstellung fiel mir enorm schwer. Ärzte sind gewohnt, in Wahrscheinlichkeiten zu denken und nicht kategorisch. Das spiegelt sich auch in den Prüfungen wider. Das ist bei den Juristen ganz anders, die einen klaren Entscheidungsbaum durchgehen, wo jedes einzelne Element für sich logisch geschlossen wird. Ärzte schließen eine Entscheidung nie logisch ab, sondern betrachten immer das Gesamtbild am Schluss. Ich hatte zwar im Rahmen eines früheren Managementstudiums bereits erste Erfahrungen mit dem juristischen Arbeiten, aber das war damals nur ein vergleichsweise kleiner Anteil. Der Vorschaltkurs zum Studiengang "Medizinrecht" war hier sehr hilfreich, um eine theoretische Grundstruktur zu schaffen. Sie haben allerdings gut daran getan, den Vorschaltkurs im neuen Jahrgang noch deutlich auszubauen. Für einen Nichtjuristen ist es außerdem nicht leicht, mit der Literatur und Zitierweise umzugehen, da wir Mediziner das ganz anders machen. Insbesondere auch die Informationsbeschaffung war eine große Herausforderung.

Sie sagten gerade, dass es eine Situation gab, in der die Kommilitonen Sie beraten haben. Gab es auch Momente, in denen die doch sehr heterogene Teilenehmerstruktur aus Juristen, Ökonomen, Medizinern und Pharmazeuten eher störend war?

Es gab auch Momente, da hatte der Kurs als heterogene Gesamtheit eine ganz andere Meinung als der Referent. Aber sonst eigentlich nicht. Nein, das war sehr belebend. Es hat sehr viele interessante Aspekte reingebracht, von denen man normalerweise nichts mitbekommt. Auch der Austausch, der sich ja immer hinterher angeschlossen hat, war sehr bereichernd: Wie macht ihr das denn? Wie bewertet ihr das? Das war nie hinderlich. Im Gegenteil: Ich hätte mich auch als Mediziner nie in einem Kurs wohlgefühlt, in dem nur Mediziner sitzen. Der Mix war perfekt.

Haben Sie heute, über ein Jahr nach dem Abschluss, noch Kontakt zu Ihren Kommilitonen?

Ja, wir haben uns gerade erst vor zwei Wochen in Münster getroffen. Einige sind sogar aus Stuttgart, Berlin, Hamburg oder Frankfurt angereist. Für die privaten Kontakte hat sich die Teilnahme am Studiengang vielleicht sogar noch mehr gelohnt als für den Abschluss selbst. Ich hatte aber auch Glück mit meinem Kurs.

Im Übrigen hat es bei den Juristen beruflich auch ganz gut geklappt. Ich habe mir erzählen lassen, dass einer der Kollegen nach dem Studiengang zu einem großen Konzern in führende Position gewechselt ist und Stellen ausgeschrieben hat. Da waren dann tatsächlich auch zwei Bewerber aus dem Kurs dabei, von denen einer die Stelle bekommen hat und der andere die gleiche Position bei einem anderen Konzern besetzen konnte.

Sie haben nun nach einem Managementstudium mit dem Abschluss "Master of Arts" noch den Master of Laws-Titel erworben. Ist das auch etwas, worauf Patienten Wert legen?

Die Patienten sicherlich nicht. Nachdem ich mich jetzt aber in einem Angestelltenverhältnis befinde, ist es was anderes, wenn es um Einstellungskriterien geht. Da sind solche Abschlüsse mit Sicherheit nützlich. Mein Eindruck ist der, dass ein Geschäftsführer einfach weiß, wen er da bekommt. Jemanden mit einem Master of Arts- und einem Master of Laws-Titel stellt man nicht für die "Patientenfront" ein. Damit signalisiert man vielmehr, dass man auf der organisatorischen Verwaltungsebene tätig ist. Das kann ein Vor- oder ein Nachteil sein. Für mich persönlich war es ein Vorteil. Das muss jeder für sich entscheiden.

Würden Sie den Studiengang weiterempfehlen?

Ja, ich würde ihn weiterempfehlen, aber man muss sich klar werden, dass der Arbeitsaufwand, gerade für Mediziner, schon enorm ist. Also ich habe schon sehr viele Stunden mit der Vor- und Nachbereitung verbracht.

Eine letzte Frage: Uns wurde berichtet, dass Sie sogar Ihren Urlaub auf den Kanaren unterbrochen haben, um zur Abschlussfeier zu kommen?

Ja, das ist richtig. 4.000 Kilometer Flug. Aber nach der harten Arbeit wollte ich die Urkunde schon persönlich entgegennehmen. Außerdem waren wir anschließend noch alle zusammen in der Stadt und haben gefeiert. Es hat sich also gelohnt.

Lieber Herr Dr. Ade, wir möchten uns für dieses Gespräch ganz herzlich bedanken und wünschen Ihnen alles Gute für die weitere Zukunft und noch viele unterbrechungsfreie Urlaube.