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Die WWU Münster und die JurGrad – Rektorin Ursula Nelles erklärt das Erfolgsmodell

Seit dem Jahr 2006 ist Prof. Dr. Ursula Nelles Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und steht damit an der Spitze einer der größten Universitäten Deutschlands. Vor ihrer Zeit im Rektorat war sie Professorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der WWU und damit direkt an der Entstehung der JurGrad im Jahr 2002 beteiligt. Wenn es um strukturelle Fragen rund um die JurGrad geht, etwa um die Beziehung zur WWU Münster oder die Verwendung der Teilnehmerbeiträge, ist sie die ideale Gesprächspartnerin. Deshalb haben wir uns mit ihr in einem kurzen Interview genau über diese Fragen unterhalten.

Frau Prof. Dr. Nelles, wie hat sich die JurGrad seit ihrer Gründung im Jahr 2002 verändert?

Bedauerlicherweise bin ich seit 2006 der JurGrad ja etwas ferner gerückt und kann deshalb nicht sagen, wie sehr sie sich nach innen verändert hat. Aber ich weiß jedenfalls eins: Dass sie blüht, wächst und gedeiht und inzwischen zusätzliche Studiengänge anbietet. Und ich weiß, dass die JurGrad nach wie vor das Modell ist, nach dessen Vorbild wir innerhalb der Universität schon weitere Tochtergesellschaften auf den Weg gebracht haben. Dazu kommt natürlich, dass die Räume insgesamt schöner und repräsentativer geworden sind, näher an die Fakultät und auch näher in die Innenstadt gerückt sind, so dass unsere Weiterbildungsstudierenden auch das vorfinden, was sie am liebsten haben: Das Gefühl, wie in alten Zeiten Studis zu sein.

Was war denn eigentlich ursprünglich die Idee hinter der JurGrad? Wie kam es zu ihrer Gründung?

Die Idee hinter der JurGrad ist auf mehreren Seiten gewachsen. Auf der einen Seite konnte man in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät spüren, dass sich immer mehr Personen auf den Weg machten, für ihre eigenen Einrichtungen zusätzliche Einnahmequellen zu konstruieren: Die öffentlichen Mittel gingen zurück und es war immer sehr schön, wenn man hier einen Förderverein oder dort einen Beirat hatte, der großzügig sponserte. Aus diesem Grund wurden die Anreize, bestimmte Dinge einfach privatwirtschaftlich zu regeln, immer größer. Und zu dem Zeitpunkt hatte ich schon beobachten können, dass die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät von einem Kranz solcher Do ut des-Fürstentümer umgeben war und gewisse Schwierigkeiten hatte: Wenn sie Gesellschaften gründeten, dann wurden die Lehrenden selbst zu privaten Gesellschaftern, denn die Universität war noch nicht selbstständige Körperschaft des Öffentlichen Rechts und konnte nicht selbst am Markt tätig sein. Und wann immer jemand wegberufen wurde, in den Ruhestand ging, oder neue Kollegen dazukamen, waren die Pfründe schon irgendwie verteilt und keiner wollte sie wieder zurückgeben. Und dann habe ich gesagt, dass wir Beutegemeinschaften seien und es zweckmäßig wäre, wenn wir eine gemeinsame Gesellschaft hätten, in die jeder neue Studiengänge einbringen und seine fachlichen Interessen wiederfinden könne. Zwar konnten wir als Fakultät damals selbst keine Gesellschaft gründen, aber unser e.V. Freundeskreis Rechtswissenschaft als juristische Person – konnte das. Wir haben dann ein Konzept entwickelt, wie man die Kosten eines Studiengangs ordnungsgemäß zuordnen und wie man denjenigen, die so etwas entwickeln, auch einen gewissen Ausgleich für den Aufwand verschaffen kann, aber natürlich nicht im Sinne einer Erhöhung von Privateinnahmen, sondern in Form einer Ausschüttung der Gewinne als Sachmittel an das jeweilige Institut. Und diese Verzahnung von Interessen ist insgesamt so gut gelaufen und aus meiner Sicht so friedensstiftend und effektiv gewesen, dass dieses Modell dann für mich ein Vorbild wurde, als ich 2006 zur Rektorin gewählt wurde. Ich war noch nicht im Amt, als ich sofort dafür sorgte, dass die WWU Weiterbildung gGmbH auf universitärer Ebene als Tochtergesellschaft der Uni gegründet wurde. Diese sollte als Plattform für sämtliche Fachbereiche dienen, ihre guten Ideen für Weiterbildung umzusetzen. Und das funktioniert ja, wie Sie wissen, bis heute. Das war die Idee.

Was genau passiert denn mit den Einnahmen, die über das Weiterbildungsangebot der JurGrad erwirtschaftet werden? Fließen die Teilnehmerbeiträge direkt an die Universität?

Die Teilnehmerbeiträge dienen natürlich zu einem großen Teil der Abgeltung der anfallenden Kosten. Denn es ist ja nicht zum Nulltarif zu bewerkstelligen; einen kompletten Studiengang aufzubauen, also Fahrtkosten und Aufwand, Honorare für die Lehrbeauftragten, Anteile an den Fixkosten, die die GmbH hat, Werbungskosten und dergleichen. Und der Gewinn, der dann übrig bleibt, landet beim Gesellschafter der JurGrad gGmbH, also dem Freundeskreis Rechtswissenschaft. Dieser Gewinn hat immer die Funktion, der Fakultät im Großen und Ganzen zu helfen. Natürlich fällt ein größerer Anteil an diejenigen, die auch die inhaltliche Arbeit gemacht haben und die Studiengänge konzipiert und zur Akkreditierung geführt haben, aber der Rest wird immer so verteilt, wie der Freundeskreis Rechtswissenschaft die Ausschüttung bestimmt.

Können Sie vielleicht noch einmal genauer darauf eingehen, in welcher rechtlichen Beziehung die JurGrad ganz genau zur WWU Münster steht?

Die Rechtsbeziehungen sind auch wieder historisch erklärbar. Erstens sind die Universitäten heute alle verpflichtet, auch Weiterbildungsangebote zu machen. Zweitens waren damals und sind heute erst recht Studienbeiträge nicht erlaubt. Wir dürfen uns diese zusätzliche Aufgabe also nicht auch zusätzlich honorieren lassen. Aber eine GmbH, die am Markt tätig ist, darf selbstverständlich Beiträge für die Studienangebote erheben. Leider darf sie aber keine Zeugnisse ausstellen, weil sie keine Universität ist. Und deswegen gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen der JurGrad und der WWU. Wenn die GmbH die ganze Arbeit übernimmt, die Studiengänge akkreditieren lässt, dafür auch die Kosten trägt und die Qualitätsstandards bei der Auswahl der Lehrenden und der Curricula so hoch hält, wie das die Fakultät gewöhnt ist, dann ist die Fakultät bereit, das Abschlusszeugnis auch mit dem Stempel „Westfälische Wilhelms-Universität“ zu versehen.

Welche Bedeutung haben Postgraduierten-Studiengänge denn heute für die WWU Münster und die Universitätslandschaft insgesamt?

Ich habe einen Aspekt ja schon angedeutet: zunehmend rückt lebenslanges Lernen in den Fokus. Und da erwartet die Öffentliche Hand auch entsprechende Angebote der von ihr finanzierten Universitäten, um die lebenslange Weiterbildung nicht vielleicht weniger berufenen, privaten Institutionen zu überlassen. Also von daher hat Weiterbildung eine große Bedeutung. Und wir berufen uns auch dem Ministerium gegenüber darauf, dass wir die Postgraduiertenstudiengänge unter genau diesem Aspekt der universitären Weiterbildung als Angebot am Markt haben, sowohl bei der JurGrad gGmbH als auch bei der etwas bunteren WWU Weiterbildung gGmbH. In der Universitätslandschaft insgesamt heißt das natürlich, dass wir gut aufgestellt sind. Nicht zuletzt sind solche Weiterbildungsangebote aber auch eine sehr gute Möglichkeit, Alumnibindung an die Universität herzustellen. Erstens kommen unsere Alumni so in späteren Lebensjahren wieder an die Uni und finden das klasse, mal wieder ganz klein und dumm und auch ein bisschen „versoffen“ sein zu dürfen, jedenfalls gefühlt. (lacht) Und zweitens bleiben sie uns damit ein ganzes Leben lang erhalten.