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Der „Stärkste Jurist der Welt“ im Interview

Unsere Masterstudiengänge sind speziell auf Berufstätige zugeschnitten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfügen daher oftmals über viele Jahre Berufserfahrung und kommen aus den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen. Einige von ihnen haben – auch abseits des beruflichen Werdegangs – eine außergewöhnliche Geschichte, so auch Herr Raffael Gordzielik.

Herr Gordzielik ist Rechtsanwalt, derzeitig Teilnehmer im Masterstudiengang Medizinrecht, und drei Mal hintereinander zum „stärksten Mann Deutschlands“ gekürt worden. In einem kurzen Interview wollen wir ihn etwas näher kennen lernen. 

JurGrad: Wie kam es dazu, dass Sie mit dem Kraftsport angefangen haben?

Seit meiner Kindheit hat das Thema Stärke und Kraft eine gewisse Rolle in meinem Leben gespielt. Geprägt wurde ich hauptsächlich durch Arnold Schwarzenegger, den Vorreiter der Fitnessbranche, wie wahrscheinlich viele Gleichaltrige. Ich war damals fasziniert von seiner Muskulatur und Stärke und wollte so aussehen wie er, ohne zu dem Zeitpunkt zu wissen, was sich genau hinter dem Kraftsport verbirgt.

JurGrad: Wussten Sie schon immer, dass Sie ein „Strongman“ werden wollten?

Nein, das hat sich im Laufe der Zeit ergeben. Früher habe ich viele Sportarten ausprobiert, darunter Kickboxen, Schwimmen, Tischtennis und Fußball. Mit Anfang 20 habe ich dann meine „1. große sportliche Liebe“ entdeckt, eine Kombination aus Kraftsport und Athletik: den American Football.

Hier war ich tatsächlich recht erfolgreich und habe im deutschen Ableger der amerikanischen National Football League gespielt. Mit meiner Mannschaft bin ich viel um die Welt gereist und durfte an zahlreichen Trainingslagern der Profiliga teilnehmen. Im Jahr 2007 wurde das komplette Programm aufgrund der Finanzkrise dann leider aufgelöst, sodass eine Profikarriere als Football-Spieler nicht mehr möglich war.

Auf den Strongman bin ich durch einen guten Freund aufmerksam geworden: „Ich kenne niemanden, der so stark ist wie du, nutz das doch“.

Aus Neugier habe ich mich ohne spezielles Training an einem Wettbewerb bei mir in der Nähe angemeldet und konnte den 5. Platz von knapp 40 Teilnehmenden erreichen. Am nächsten Tag sprach mich der Veranstalter und mein späterer Mentor, Heinz Ollesch, zwölfmaliger „Stärkster Mann Deutschlands“, an und so bin ich in die Strongman-Welt eingetaucht.

JurGrad: Welche Erfolge konnten Sie als Sportler bereits erzielen?

Ich durfte an zahlreichen nationalen und internationalen Meisterschaften teilnehmen und mich mit den stärksten Menschen auf dem höchsten internationalen Niveau messen. Im Jahr 2015 und 2016 wurde ich Vize-Deutscher Meister bei den Strongman-Meisterschaften. 2017, 2018 und 2019 holte ich dann den Titel.

JurGrad: Sie haben zunächst ein Bachelorstudium im Bereich BWL gemacht und auch erfolgreich abgeschossen. Warum haben Sie sich danach noch für ein Jurastudium entschieden?

Der Gedanke, dass noch irgendetwas kommen muss, ließ mich nicht los. Dadurch, dass viele meiner Freundinnen und Freunde Studierende der Rechtswissenschaften waren, haben sie mir vorgeschlagen, Jura zu studieren: „Jura ist einfach, wenn man richtig dafür lernt“. Also habe ich mit dem Jurastudium angefangen. Damals hatte ich noch nicht die bestimmte Intention, Rechtsanwalt zu werden, sondern war lediglich an juristischen Themen interessiert. Durch das Studium habe ich die Möglichkeit gesehen, mich sowohl weiterzubilden als auch weiterhin intensiv meinen Sport treiben zu können.

Im Laufe des Studiums hat sich der Gedanke, Rechtsanwalt zu werden, gefestigt und 2015 habe ich das 1. Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen. Seit Ende 2018 bin ich zugelassener Rechtsanwalt.

JurGrad: Woher kam das Interesse am Bereich Medizinrecht und weshalb haben Sie sich entschieden, ein berufsbegleitendes Studium bei der JurGrad zu machen?

Nach meiner Zulassung zum Rechtsanwalt habe ich zunächst eher sporadisch Fälle und Verfahren bearbeitet, die ich durch Bekannte und Freunde erhalten habe. Der Sport stand bei mir zu dieser Zeit im Mittelpunkt. Im Jahr 2020 habe ich mir leider eine Verletzung zugezogen, hinzu kam die Pandemie, sodass der Sport eher in den Hintergrund getreten ist und ich mich verstärkt auf die Rechtsanwaltstätigkeit fokussieren wollte. Auf der Suche nach einem Anstellungsverhältnis bin ich im Bereich Medizinrecht bei einem Patientenanwalt gelandet. Hier habe ich direkte Parallelen zum Kraftsport gesehen, denn bei den Fällen geht es beispielsweise darum, Schwergeschädigten zu helfen und das bestmögliche Ergebnis für meine Mandantschaft zu erzielen. Eine gewisse Kämpfernatur und Ausdauer sollte man also sowohl im Sport als auch bei der Juristerei mitbringen.

Ende 2021 habe ich für mich beschlossen, dass ich mich gerne selbstständig machen möchte. Um meiner Mandantschaft das bestmögliche Wissen und die nötige Expertise anbieten zu können, wollte ich meine Kenntnisse im Bereich Medizinrecht vertiefen und auch meinen Fachanwalt in diesem Bereich machen. Durch den Austausch mit einer Bekannten, die ich aus der Sportszene kannte und die den Masterstudiengang in Münster zu dieser Zeit absolvierte, bin ich auf den Master aufmerksam geworden und habe mich schlussendlich zum Wintersemester 2021 bei der JurGrad angemeldet.

JurGrad: Wie schaffen Sie es den Sport, den Beruf, das Studium und die Familie zu vereinbaren? Dafür braucht man sicherlich viel Disziplin.

Ja, das stimmt. Ich mache weiterhin 5x in der Woche Sport. Neben meiner Rechtsanwaltstätigkeit habe ich noch mein Sportgewerbe, einige Kampagnenverträge und bin als Coach tätig. Grundsätzlich bin ich sehr wissbegierig und ehrgeizig. Oftmals fehlt mir nur die Zeit, alle meine Ziele zu realisieren.

Ein Grund für die Selbstständigkeit war daher auch die freie Zeiteinteilung. Grundsätzlich handhabe ich es so, dass ich die Wochenenden – abgesehen von einem Wochenende pro Monat für das Studium – für die Familie freihalte. Unter der Woche sehen meine Arbeitstage immer unterschiedlich aus. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und kann alles gut miteinander vereinbaren. Dazu kommt, dass ich eigentlich nur noch Dinge mache, die mir Spaß machen. So fällt es mir leicht, mich zu motivieren.

JurGrad: Wie soll es mit Ihrer Karriere als Sportler weitergehen?

Über die Jahre habe ich meinen Körper extrem beansprucht und auch aufgrund meiner Verletzung würde ich meine eigene sportliche Karriere realistischerweise als beendet ansehen. Ich möchte weiterhin regelmäßig Sport machen und gerne insbesondere anderen Menschen bei der Verwirklichung ihrer Ziele unterstützen und coachen.

JurGrad: Zum Abschluss: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Juristisch gesehen steht nun der Ausbau meiner Kanzleitätigkeit an erster Stelle. Ganz aktuell sind meine Kanzleiräumlichkeiten in Marburg. Ab dem 1. Mai trete ich offiziell mit meiner neuen Kanzlei auch nach außen auf. Derzeit bin ich dabei, Praktikantinnen und Praktikanten einzustellen und möchte zukünftig mit Referendarinnen und Referendaren zusammenarbeiten. Für mögliche Kooperationen führe ich gerade auch Gespräche mit großen, etablierten Kanzleien. Neben dem Fachanwalt für Medizinrecht, mache ich ebenfalls den Fachanwalt für Strafrecht, sodass ich auch in diesem Bereich fachlich gut aufgestellt bin. Im Sportbereich möchte ich zukünftig mehr in die Werbung gehen und weitere Aufträge und Strongman-Shows parallel zur Anwaltstätigkeit machen.

JurGrad:

Das hört sich nach einer herausfordernden, spannenden und abwechslungsreichen Zeit an. Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview und wünschen Ihnen alles Gute bei der Realisierung all Ihrer Ziele!